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Antisemitismus

Antisemitismus

Jüdinnen und Juden sind und waren im Laufe der Geschichte immer wieder Opfer von Gewalt, Übergriffen und Vertreibung. Die Feindseligkeit gegenüber dem jüdischen Leben war stets eine traurige Konstante – unabhängig vom jeweiligen historischen und gesellschaftlichen Kontext. Woher kommt dieser Hass gegenüber Jüdinnen und Juden? Wie hat sich der Antisemitismus entwickelt? Aber auch: Wie hat sich vor dem Hintergrund von Vernichtung und Vertreibung jüdisches Leben in Deutschland entwickelt?

1. Vorbereitung des Ausstellungsbesuches / Einführung in das Thema

„Wie Ausgrenzung funktioniert: Zur Funktion von Vorurteilen und Antisemitismus“

Inhalt und Ziel der Methode: In mehreren Schritten soll zunächst die willkürliche Konstruktion von Gruppen durch äußere Zuschreibungen einschließlich der damit verbundenen Abwertungs- und Ausgrenzungstendenzen dargestellt werden.
Im letzten Schritt werden speziell anhand von Textarbeiten die Geschichte und Merkmale des Antisemitismus erarbeitet sowie Funktion und Wirkungsweise des Antisemitismus erläutert. (Phasen der Methode: 1. Konstruktion von Gruppen, 2. Zuschreibung von Merkmalen/Herstellung der Rangfolge zwischen Gruppen, 3. Arbeit mit historischen Beispielen wie der „Ritualmordlegende“ oder der „Dreyfus-Affäre“).
Quelle: Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus, Widerspruchstoleranz – Ein Theorie-Praxis-Handbuch zu Antisemitismuskritik und Bildungsarbeit. Berlin 2013, Seite 58 – 62, http://www.kiga-berlin.org/uploads/KIgA_Widerspruchstoleranz_2013.pdf


Unterrichtsmaterial des International Tracing Service (ITS)

Inhalt und Ziel der Methode: Die Unterrichtsmaterialien basieren zum größten Teil auf Dokumenten aus dem Archiv des ITS. Durch die Dokumente ist es möglich, den Schülerinnen un dSchülern anhand persönlicher Schicksale und Einzelbiographien von Opfern des NS-Regimes weiterführende Informationen über diesen Teil deutscher Geschichte zu vermitteln. Weil immer weniger Zeitzeugen berichten können, bekommt die Arbeit mit Dokumenten einen höheren Stellenwert. Dabei werden alle Opfergruppen berücksichtigt. Die Materialien ermöglichen einen altersgerechten Zugang.

Das ITS bietet Materialien zu den Themen:

1. Überlebende der NS-Verfolgung, des Holocaust und der Zwangsarbeit, die nach der Befreiung von den Alliierten als Displaced Persons (DPs) bezeichnet und in eigens eingerichteten Camps betreut wurden,

2. „Karteikarten und Menschen – Fenster in die Vergangenheit“
Pädagogische Handreichung über die Kartei der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland,

3. "Ich bin alleine zwischen fremden Menschen"
Unterrichtsmaterial zu Kindern und Jugendlichen als Verfolgte und Opfer des nationalsozialistischen Deutschland,

Quelle: https://www.its-arolsen.org/bildung/paedagogische-materialien/

 

2.Methodenvorschläge während des Ausstellungsbesuches

Antisemitische Sprachbilder in Karikaturen – damals & heute

Inhalt und Ziel der Methode: Die Schülerinnen und Schüler sollen antisemitische Zuschreibungen in Karikaturen und Bildern erkennen. Dafür sind ausgedruckte Bilder mitzubringen. Um die Langlebigkeit dieser Sprachbilder zu demonstrieren und Kontinuitäten aufzuzeigen, können ebenso Darstellungen aus der Gegenwart eingesetzt werden. Beispielhaft sind Karikaturen in der Süddeutschen Zeitung (http://bit.ly/1fR7ieZ) oder die „Weltverschwörungstheorie“ samt Riesenkrake (http://bit.ly/1lFnqrg) genannt, die zeigen, dass bis heute Kontinuitäten in der antisemitischen Bildsprache existieren. Weitere Beispiele: Karikatur „Jüdischer Geldsack“ - http://bit.ly/1dT5CGG

Fragen für die Auswertung der Bilder: „Welche Vorurteile über Juden liegt dieser Darstellung zugrunde?“, „Erkläre wie dieses Vorurteil entstand?" und „Warum ist es ein Vorurteil?“

Quellen: Broschüre der Bundeszentrale für politische Bildung. Der Antisemitismus in Europa – Arbeitsmaterialien. Vorurteile in Geschichte und Gegenwart, Seite 9. Zur inhaltlichen Vorbereitung: „Antisemitismus und visuelle Kompetenz“, Seite 35, Aus: Antisemitismus in Geschichte und Gegenwart, Zentrum für Antisemitismusforschung an der TU Berlin - http://bit.ly/1pZjy1F

 

3.Nachbereitung des Ausstellungsbesuches / Transferprojekte

„Zwischen Emanzipation, Holocaust und Überleben. Sieben (jüdische) Biografien“

Ziel und Inhalt der Methode: Durch einen spielerischen Einstieg mit einem Quiz soll zunächst das Wissen über den Nationalsozialismus aufgearbeitet werden. Dabei werden Wissensfragen aus den Kategorien „Wie es dazu kam“, „Entrechtung und Ermordung“ und „Helfer, Retter, Widerstand“ gestellt.
Im Folgenden wird dann anhand von Biografien die unmittelbare Betroffenenperspektive dargestellt und somit ein Verständnis für die individuellen Lebens- und Leidensgeschichten geschaffen. Um lokale Bezüge zu der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler herzustellen, ist es ebenfalls empfehlenswert, exemplarische lokalgeschichtliche Biografien in die Textarbeit mit einzubeziehen. In dem Fall ist auf die Pluralität der Lebensgeschichten zu achten.

Quelle: Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus, Widerspruchstoleranz – Ein Theorie-Praxis-Handbuch zu Antisemitismuskritik und Bildungsarbeit. Berlin 2013, Seite 63 – 68, >> http://www.kiga-berlin.org/uploads/KIgA_Widerspruchstoleranz_2013.pdf


Jüdisches Leben in Europa

Inhalt und Ziel der Methode: Juden leben seit Jahrhunderten in Europa und hatten einen prägenden Einfluss auf die Kultur des Kontinentes. Doch es gibt auch eine lange Geschichte der Judenfeindschaft. Die Schülerinnen und Schüler sollen lernen, was Antisemitismus ist und was es überhaupt bedeutet, jüdisch zu sein?
Quelle: Baustein 1: Juden und Judenfeindschaft in Europa bis 1945, Hg.: Anne Frank House, Amsterdam / Deutsche Version: Zentrum für Antisemitismusforschung, TU Berlin >> https://www.tu-berlin.de/fileadmin/i65/Unterichtsmaterialien_Thema_Antisemitismus/bausteine1-3.pdf 

Arbeit mit Stolpersteinen: Jüdisches Leben und lokale Bezüge

Ebenso kann (Erinnerungs-)Arbeit mit lokalgeschichtlichen Biografien jüdischen Lebens vor Ort in den Unterricht eingebaut werden. Dabei sollten die häufig vor Ort auffindbaren Stolpersteine in die Praxis eingebaut werden. Vorschläge für die historisch-politische Bildung: http://www.stolpersteine-berlin.de/de/projekt/paedagogik

1. Literaturhinweise und Hintergrundinformationen

 

 

2. Filme und Medien

 

  • Dokumentation über aktuellen Antisemitismus „Typisch Jude“ des Medienprojekts Wuppertal, 43 Min. (plus Bonus: 52 Min.), freigegeben ab 12 Jahren.
    DVD-Kauf: 32 Euro, Ausleihe: 12 Euro, Preis V & Ö 60 Euro
    Erläuterung: Antisemitismus ist in der deutschen Gesellschaft bei vielen Menschen präsent, Vorbehalte gegen Juden sind nach wie vor relativ weit verbreitet. Unter Schülern wird das Wort "Jude" vielerorts als Schimpfwort benutzt, besonders präsent ist Judenfeindlichkeit bei Jugendlichen mit muslimischem Hintergrund. Der Film setzt sich mit diesen Problemen auseinander und beleuchtet verschiedene Ausprägungen von Judenfeindlichkeit. Mehrere Teams von Jugendlichen unter Beteiligung von jüdischen Jugendlichen haben eine Dokumentation mit folgenden Schwerpunkten produziert.
    >>  https://www.medienprojekt-wuppertal.de/typisch-jude

  • ARD-Dokumentation: „Die Story im Ersten: Antisemitismus heute. Wie judenfeindlich ist Deutschland?“. Ein Film von Kirsten Esch, Jo Goll und Ahmad Mansour  (28.10.13). Beschreibung: „Am 9. November 2013 jährt sich die Reichspogromnacht zum 75. Mal: der unheilvolle Auftakt zum Massenmord an europäischen Juden. Wie sieht es heute aus mit der Judenfeindlichkeit in Deutschland? Um diese Frage zu beantworten, begeben sich drei Autoren auf eine Reise durch Deutschland. Sie beleuchten Hintergründe und Motivationen judenfeindlicher Gesinnungen in ganz unterschiedlichen Teilen der Gesellschaft.
    >> https://www.youtube.com/watch?v=cnKXVUaQLSA

 

 - Rollup: Antisemitismus