beratungsNetzwerk hessen - Mobile Intervention gegen Rechtsextremismus

Rechtsextreme Gruppierungen

Rechtsextreme Gruppierungen

Neben den rechtsextremen Parteien gibt es zahlreiche ungebundene rechtsextreme Gruppen, denen vor allem Jugendliche und junge Erwachsene angehören. Hier einige Beispiele:

Freie Kameradschaften

Die sogenannten Kameradschaften sind Gruppen, die nach außen keine erkennbare Struktur haben, wie es bei Parteien oder Vereinen der Fall ist. Das Motto lautet: „Organisierung ohne Organisation!“. Im Jahr 2009 wurde bundesweit von ungefähr 150 Kameradschaften ausgegangen.1 Im Gegensatz zu Skinhead-Gruppierungen sind sie überwiegend durch den Willen zu politischer Aktivität geprägt.

Einheitliches Merkmal aller Kameradschaften ist ihre rechtsextreme Grundhaltung: Sie treten aggressiv für ein „nationalsozialistisches“ System ein und vertreten offen rassistische, fremdenfeindliche und antisemitische Einstellungen. Teilweise schrecken sie nicht einmal vor terroristischen Taten zurück. Zwar bezeichnen sich Kameradschaften häufig als „frei“ vom Einfluss der Parteien (z. B. „Freie Kräfte“), da vielen z. B. die NPD zu gemäßigt und bürgerlich erscheint, dennoch arbeiten einige Kameradschaften eng mit der NPD zusammen. In den letzten Jahren wurden zahlreiche Kameradschaften gerichtlich verboten.

Autonome Nationalisten

Die „Autonomen Nationalisten“ stellen eine Sonderform der Kameradschaften dar. Sie versuchen sich antikapitalistisch, modern und militant zu geben, um damit insbesondere erlebnisorientierte Jugendliche für ihre Sache zu gewinnen. Ihr „Hauptangriffsziel“ sind Polizei und politische Gegner. In Dortmund griffen beispielsweise am 1. Mai 2009 über 200 „Autonome Nationalisten“ die Teilnehmenden einer Gewerkschaftsdemonstration und Polizisten mit Holzlatten, Steinen und Flaschen an. Von linken militanten Gruppen übernehmen sie sowohl Aktionsformen als auch Themenfelder. Besonders das Outfit ist stark an linken Autonomen orientiert: Schwarze Kleidung, Basecap, Sonnenbrille und „Palästinensertuch“. Dazu werden Parolen und Symbole der Linken kopiert, wie auch das gemeinschaftliche Auftreten bei Demonstrationen als „Schwarzer Block“. Ideologische Basis der „Autonomen Nationalisten“ bleibt jedoch nach wie vor der historische Nationalsozialismus.

Rechte Skinheads

Die Skinheadszene ist eine bunt gemischte Jugendkultur. Es gibt unpolitische, linke und rechte Skinheads. Die derzeit einzige bundesweit aktive rechtsextreme Skinhead-Organisation, ist die deutsche Sektion der international agierenden „Hammerskins“. Im Gegensatz zu den Kameradschaften ist ihre Bereitschaft zu politischen Aktionen weniger ausgeprägt; ihr Alltag ist überwiegend von Alkohol, Gewalt und rechtsextremer Musik geprägt. Folglich konzentrieren sich ihre Aktivitäten auf die Selbstorganisation der „Hammerskin“-Bewegung sowie auf die Durchführung rechtsextremer Konzerte. Ziel der Vereinigung ist es, getreu ihrem Motto ‚‘Hammerskins Forever – Forever Hammerskins (HFFH)‘‚ „weiße“ Skinheads weltweit zu vereinen.

1. VORBEREITUNG DES AUSSTELLNGSBESUCHES / EINFÜHRUNG IN DFAS THEMA

Film: Das braune Chamäleon

Die Erscheinungsform von Rechtsextremen hat sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt. Neonazis wie die "Autonomen Nationalisten" sind auf den ersten Blick kaum zu unterscheiden von den Angehörigen linker Subkulturen. Rechtspopulisten wie die Mitglieder der "Pro-Bewegung" versuchen, sich bürgernah zu geben. Der Film "Das braune Chamäleon" beschreibt diese Strömungen aus verschiedenen Blickwinkeln:

  • Hans-Peter Kilgus vom NS-Dokumentationszentrum Köln beschreibt Ausprägungen der rechten Szene.
  • Matthias Adrian war Funktionär bei der NPD, distanzierte sich aber nach und nach von der rechtsextremen Ideologie. Er berichtet von seinen Erlebnissen als organisierter Neonazi.
  • Andreas ist als 11-Jähriger zu einer Gruppe Rechtsradikaler gestoßen. Er beschreibt, welchen Reiz sie auf ihn ausübte.
  • Schüler und Lehrer berichten über den Umgang mit der Thematik Rechtsextremismus an der Schule.
  • Veranstaltungen von "Pro-NRW" und den "Autonomen Nationalisten" sowie Gegenkundgebungen werden dokumentiert.

 

Quelle: Medienprojekt Wuppertal "Das braune Chamäleon": https://www.medienprojekt-wuppertal.de/jugendliche-und-rechtsextremismus

bei youtube: https://www.youtube.com/watch?v=4Umr4UtZ5HM

 

Brainstorming/Diskussion im Anschluss des Filmes:

Warum kann es für Neonazis es unter Umständen interessanter sein sich in einer Kameradschaft zu beteiligen als in der NPD?

 

2. Methodenvorschläge während des Ausstellungsbesuches

Worin unterscheiden sich die vorgestellten Gruppen?

Unterscheide die vorgestellten Gruppen (Freie Kameradschaften, Autonome Nationalisten und Rechte Skinheads) voneinander. Was macht jede einzelne Gruppe für sich „einzigartig“?

Fragen zu den Autonomen Nationalisten:

  • Warum tragen die Autonomen Nationalisten schwarze Kleidung?
  • Warum ein rechter Schwarzer Block?
  • Was soll die Farbe schwarz ausdrücken? Warum kleiden sie sich einheitlich?
  • Welche Botschaft steckt Deines Erachtens drin?

Literatur

  • Antonio Amadeu-Stiftung: Braune Kameraden – eine Bedrohung für die Demokratie https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/w/files/pdfs/braune_kameraden.pdf (12.06.15)
  • „Belltower News – Netz für digitale Zivilgesellschaft“ - Einen optischen "klassischen" Neonazi gibt es heute nicht mehr. Vom Opa bis zur HipHopperin sind alle Spielarten in der Szene "erlaubt". Und das ist Strategie: Neonazis sind dadurch weniger leicht erkennbar. Ein Überblick: http://www.belltower.news/category/ressorts/wissen/woran-man-sie-erkennt/subkulturen
  • Bundesamt für Verfassungsschutz (2000): Neonazistische Kameradschaften in Deutschland. Berlin
  • Bundesministerium des Innern (2014): Verfassungsschutzbericht 2013. Berlin
  • Bundeszentrale für politische Bildung:  http://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtsextremismus/ (Stand: 19.11.2013)
  • Kulick, Holger/Staud, Toralf (2009): Das Buch gegen Nazis. Rechtsextremismus – Was man wissen muss und wie man sich wehren kann. Köln: Kippenheuer & Witsch.
  • Röpke, Andrea/Speit, Andreas (2005): Braune Kameradschaften. Die militanten Neonazis im Schatten der NPD. 2. akt. Aufl. Berlin.
  • Speit, Andreas (2005): Mythos Kameradschaft. Gruppeninterne Gewalt im neonazistischen Spektrum. Braunschweig.
  • Ministerium des Innern und für Sport, Rheinland-Pfalz (2006): Rechtsextremistische
    Skinheads. Mainz. http://docplayer.org/25352932-Ministerium-des-innern-und-fuer-sport-rechtsextremistische-skinheads.html
  • Möller, Kurt / Schuhmacher, Nils (2007): Rechte Glatzen : rechtsextreme Orientierungs- und Szenezusammenhänge; Einstiegs-, Verbleibs- und Ausstiegsprozesse von Skinheads. Wiesbaden.
  • Schedler,  Jan / Häusler, Alexander (2011): Autonome Nationalisten: Neonazismus in Bewegung. Wiesbaden.
  • Senatsverwaltung für Inneres und Sport Berlin (2008): Autonome Nationalisten. Berlin
  • Staud, Toralf/Radke, Johannes (2012): Neue Nazis : jenseits der NPD: Populisten, Autonome Nationalisten und der Terror von rechts. Köln.
  • Senator für Arbeit, Frauen, Gesundheit und Soziales, Bremen (2005): „Kampf um die Köpfe“ – die Szene der Neonazis im Bremer Raum. DVD.

 

Filme und Medien

Senat für Arbeit, Frauen, Gesundheit und Soziales, Bremen (2005): „Kampf um die Köpfe“ – die Szene der Neonazis im Bremer Raum. DVD.

 

 - Rollup: Rechtsextreme Gruppierungen